Kirchliche Doktortitel können in Deutschland nicht vergeben werden, weil nur Universitäten die Doktorwürde verleihen dürfen. In den USA oder anderen Staaten ist das Verfahren hingegen deutlich gängiger, so dass die Titel auch an Ausländer vergeben werden. Einige Kirchen verleihen den Doktortitel dabei bereits gegen eine kleine Spende, die im zweistelligen Euro-Bereich liegt.

Kirchliche Doktortitel
Doktortitel rufen in Deutschland positive Assoziationen hervor. Der Träger des Titels gilt als gebildet, meist wohl situiert und höflich. Hierzulande sind einzig und allein Universitäten dazu berechtigt, einen solchen Titel als krönenden Abschluss der akademischen Laufbahn zu verleihen. Im Ausland existieren hingegen auch solche Doktortitel, die von Kirchen verliehen werden. Dazu ist keine Laufbahn an der Universität notwendig, vielmehr werden die Titel ehrenhalber verliehen – beispielsweise gegen eine kleine Spende.

Die Unterschiede zum akademischen Doktor
Kirchliche Doktortitel und der akademische Doktorgrad sind für den Laien kaum voneinander zu unterscheiden. Sowohl im Berufsleben als auch im privaten Umfeld gilt oft, dass Doktor gleich Doktor ist. Streng genommen lassen sich aber bedeutende Unterschiede zwischen den beiden Ehrungen finden:

•    Der akademische Doktor wird nach einer mehrjährigen Universitätskarriere verliehen und setzt die Erstellung einer Doktorarbeit voraus. Wann kirchliche Doktortitel vergeben werden, liegt hingegen einzig und allein im Ermessen der jeweiligen Kirche. Eine Promotion ist ausdrücklich nicht nötig.
•    Kirchliche Doktortitel können ganz legal gekauft werden, indem eine Spende an das Vergabeinstitut entrichtet wird. Wer hingegen einen akademischen Titel kauft, macht sich strafbar.
•    Der herkömmliche Doktortitel steht mit einem „Dr.“ und einer zusätzlichen Fachbezeichnung („med.“ für Medizin; „jur.“ für Jura etc.) vor dem Namen. Der kirchliche Doktortitel muss durch ein h. c. (honoris causa) als Ehrendoktorausgewiesen werden.

Neben diesen wichtigen Unterschieden existieren aber auch etliche Gemeinsamkeiten. Ein Doktortitel hilft im Berufsleben ungemein, wenn mit Geschäftspartnern verhandelt wird. Beim Bewerbungsgespräch können Doktoranden in der Regel deutlich höhere Gehälter verlangen als Mitbewerber ohne die Auszeichnung. Die Vorzüge machen sich auch im Privatleben bemerkbar. Wer einen Tisch im Restaurant als „Dr. h. c.“ bucht, wird meist bevorzugt behandelt.

Kirchliche Doktortitel in Deutschland?
Kirchliche Doktortitel werden – wie der Name unschwer vermuten lässt – von kirchlichen Einrichtungen vergeben. Innerhalb Deutschlands wären das vor allem die katholische und die evangelische Kirche. Diese haben in der Bundesrepublik allerdings nicht das Recht dazu, Doktortitel zu verleihen. Vorbehalten ist das Universitäten, die sowohl Ehrendoktortitel als auch akademische Doktortitel vergeben. Insofern ist es nicht möglich, einen kirchlichen Doktortitel in Deutschland zu erhalten.

Kirchlicher Ehrendoktor im Ausland
Ganz anders sieht es hingegen im Ausland aus. In vielen Staaten haben kirchliche Institutionen die Möglichkeit, die Doktorwürde zu verleihen. In den USA ist es beispielsweise gängig, das evangelische Freikirchen Mitglieder mit dem Doktortitel auszeichnen, wenn diese besondere Verdienste für die Institution erbracht haben. Strenge Voraussetzungen wie beim akademischen Doktor existieren für den Kirchendoktor übrigens nicht:

•    Die Mitgliedschaft in der Kirche ist keine Voraussetzung.
•    Anders als bei akademischen Ehrendoktoren müssen keine herausragenden Leistungen für die Wissenschaft erbracht werden.
•    Jede Kirche entscheidet frei und nach eigenen Regeln über die Vergabe.

Können auch Deutsche einen kirchlichen Doktor erhalten?
Amerikanische und andere ausländische Kirchen können Doktorwürden an Ausländer verleihen. So können auch Deutsche von den Vorteilen des Dr. h. c. profitieren. Zu beachten gilt es, dass der Doktortitel in Deutschland nur dann geführt werden darf, wenn die ausländische Vergabestelle im Ursprungsland zur Verleihung des Doktortitels berechtigt ist. Das ist bei einer überwiegenden Anzahl der amerikanischen Kirchen der Fall. In anderen Nationen kann es deutlich schwieriger mit der Anerkennung des Titels in Deutschland werden. Wer den Doktor nutzt, ohne die Berechtigung hierzu zu haben, macht sich sogar des Titelmissbrauchs strafbar.

Wie kann ein kirchlicher Doktortitel erworben werden?
Es existieren viele Möglichkeiten für Deutsche, die Auszeichnung von einer Kirche zu erhalten. Wer besondere Dienste für die jeweilige Institution erbringt, erhält nach jahrelanger Arbeit den verdienten Lohn. Es geht aber auch deutlich unkomplizierter: einige Kirchen vergeben die Doktorwürde bereits gegen eine kleine Spende. Ob es sich dabei um einen Kauf im juristischen Sinne handelt, ist in Deutschland umstritten. Doch selbst wenn der Kirchendoktor gekauft wird, ist das legal – nur die Führung des Titels wäre dann strafbar. Legal gekauft werden können die kirchlichen Doktortitel meist über deutsche Vermittler, die mit den amerikanischen Kirchen kooperieren. 



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