Die Anforderungen
Die Zulassung zur Promotion und das Promotionsverfahren regeln Universitäten in einer Promotionsordnung. Die Voraussetzung zur Zulassung ist ein Studienabschluss (Master, Magister, Diplom, Lizentiat, Staatsexamen) an einer Hochschule. Meistens reicht jedoch der Abschluss allein nicht aus. Es muss darüber hinaus eine bestimmte Examensnote erreicht werden. In einigen Fachgebieten, z.B. in der Humanmedizin ist es aber bereits vor Abschluss des Examens möglich, mit der Anfertigung der Dissertation zu beginnen. Fachhochschulabsolventen oder Studenten mit Bachelorabschluss an einer Hochschule haben nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit zum Erwerb des Doktortitels. Diese Studenten müssen ihre Qualifikation mittels einer Eignungsprüfung und weiteren Studienleistungen nachweisen. Früher gab es zusätzlich noch die Möglichkeit der „einzügigen“ Promotion, d.h. Promotion ohne Studienabschluss oder der „grundständigen“ Promotion, bei der die Promotion den Studienabschluss darstellte. Dies ist heutzutage nicht mehr möglich.

Um den Doktortitel zu erwerben muss der Doktorand mehrere Leistungen erbringen. Neben der schriftlichen Doktorarbeit muss eine mündliche Prüfung abgelegt werden. Als Kernelement der schriftlichen Doktorarbeit (Dissertation) hat der Doktorand neue wissenschaftliche Erkenntnisse darzulegen, auszuwerten und zu erläutern. Dafür benötigen Doktoranden im Durchschnitt mehrere Jahre, wobei dieser Zeitraum vom Umfang der Arbeit und vom Fachgebiet abhängt. Der sogenannte Doktorvater (Professor, habilitierter Privatdozent oder Juniorprofessor) steht dem Kandidaten während der Zeit der Erstellung der Arbeit betreuend und beratend zur Seite, wobei der Umfang der Betreuung stark variieren kann. Auch dafür wer die Aufgabe des Doktorvaters übernehmen darf gibt es keine einheitliche Regelung. Hier unterscheiden sich die Promotionsordnungen der einzelnen Universitäten. Die Dissertation wird im Regelfall an einem Institut der Universität erstellt, aber auch die Einreichung extern erstellter Arbeiten ist möglich. Als Ersatz für eine Dissertation wird mitunter eine Zusammenstellung von mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen akzeptiert. Man spricht dann von einer „kumulativen“ Promotion.  Die mündliche Prüfung unterscheidet sich von Universität zu Universität teilweise erheblich und wird vor Vertretern des Fachbereichs abgelegt. Man kann verschiedene Möglichkeiten der Prüfung unterscheiden, die einzeln oder in Kombination die mündliche Promotionsprüfung darstellen. Bei der Disputation werden die neuen wissenschaftlichen Thesen und Erkenntnisse, die der Doktorand schriftlich dargelegt hat diskutiert. Von einer Verteidigung spricht man, wenn der Kandidat das Ergebnis seiner Arbeit gegen die Argumentation der Prüfer verteidigt. Im sogenannten Rigorosum können auch über die Promotion hinausgehende Themen Prüfungsinhalt sein.

Der letzte Schritt im Promotionsverfahren ist die Veröffentlichung der Arbeit innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Für die Publikation gibt es je nach Promotionsordnung unterschiedliche Möglichkeiten, beispielsweise als Buch, Hochschulschrift, Mikrofich oder als Online-Veröffentlichung. Die Publikation bildet den Abschluss des Promotionsverfahrens und die Promotionsurkunde wird ausgestellt. Danach darf der Doktorand den Doktortitel als akademischen Grad offiziell führen. Im Zeitraum zwischen der Veröffentlichung und der Ausstellung der Promotionsurkunde darf sich der Doktorand je nach Promotionsordnung bereits doctor designatus (Dr. des.) nennen.

Auf dem Sektor der medizinischen Doktorarbeiten gibt es noch einige erwähnenswerte Besonderheiten. Promotionen die mit dem Dr. med. (doctor medicinae)abschließen werden mit dem Ph.D. des angelsächsischen Sprachraums als nicht vergleichbar angesehen, da sie im Vergleich zu Promotionen anderer Fachbereiche im Regelfall deutlich weniger umfangreich sind. Sie sind häufig eher mit einer naturwissenschaftlichen Diplomarbeit vergleichbar. Umgekehrt werden in den USA, in Tschechien und in der Slowakei mit Abschluss des Medizinstudiums Berufsdoktorate vergeben. Eine Dissertation ist dafür nicht erforderlich. Der amerikanische M.D. (Doctor of Medicine) und der tschechische und slowakische MUDr (medicinae universae doctor) werden somit vom Europäischen Forschungsrat nicht ohne weitere Überprüfung als Doktorgrad akzeptiert.

Akademische Ehrentitel
Bachelor, Master und Doktoren haben eines gemeinsam: sie alle tragen einen akademischen Grad. Dieser Grad wird nach erfolgreichem Abschluss eines Studiums oder einer Promotion von der Universität vergeben. Davon unterscheiden sich sogenannte akademische Titel, die nur bei besonderen Verdienste verliehen werden. Der Ehrendoktortitel ist ein solcher akademischer Titel und wird in Deutschland nur selten vergeben, auch wenn Universitäten ihn nach eigenem Ermessen verleihen dürfen.

Welche Arten akademischer Grade gibt es überhaupt?
In Deutschland ist es sowohl Sache der Bundesländer als auch des Bundes, die Verleihung von akademischen Graden und Titeln zu regeln. Einige neue Bezeichnungen wie Bachelor und Master sind sogar von der EU vereinheitlicht worden. In Deutschland sind folgende akademische Grade zulässig:

•    Bachelor, der nach drei Jahren verliehen wird
•    Master, der auf den Bachelor nach meist zweijähriger Ausbildung folgt
•    Magister, der nicht mit dem Master zu verwechseln ist
•    Diplom, das durch Bachelor und Master de facto abgeschafft wurde
•    Doktor, der nach erfolgreich abgeschlossener Promotion verliehen wird

Ist der Ehrendoktor ein akademischer Grad?
Auch wenn umgangssprachlich nur selten zwischen akademischen Titeln und akademischen Graden unterschieden wird, ergeben sich wichtige Unterschiede. Der akademische Grad wird durch eine wissenschaftliche Leistung – beispielsweise den Abschluss eines Studiums – erworben. Welche Leistungen im Detail zu erbringen sind, regeln die Universitäten bzw. bei Bachelor- und Masterstudiengängen die EU. Akademische Titel wie der Ehrendoktor werden hingegen ohne direkte Gegenleistung verliehen. Universitäten vergeben die Doktorwürde an besondere Absolventen, die beispielsweise herausragende wissenschaftliche Leistungen vollbracht haben. Für die Verleihung ist es nicht notwendig, eine Prüfung abzulegen. Je nach Universität müssen mehrere Professoren eine Person vorschlagen, welcher der Ehrendoktor verliehen werden soll. Anschließend wird detailliert geprüft, ob die Doktorwürde wirklich verliehen werden sollte.

Arten von akademischen Ehrendoktoren
Der Ehrendoktor unterscheidet sich nicht nur in Bezug auf die Verleihung vom herkömmlichen Doktor. Auch die Bezeichnung des Titels weicht vom Standard ab:

•    Ein „D.“ bezeichnet Ehrendoktoren der evangelischen Theologie. Diese Titel werden allerdings nicht von der evangelischen Kirche, sondern einer entsprechenden Fakultät an der Universität verliehen.
•    Der Standardfall „Dr. h. c.“ (honoris causa) wird von fast allen Universitäten als Ehrendoktor verliehen.
•    Davon weicht der „Dr. e. h.“ (ehrenhalber) in der Bezeichnung ab. Der eingedeutschte Titel wird in der Regel von Technischen Hochschulen vergeben.

Die Verleihung dieser Ehrendoktorwürden ist in Deutschland Hochschulen vorbehalten, die mit einem Promotionsrecht ausgestattet sind. Kirchen, der Staat oder andere Institutionen sind dazu in der Bundesrepublik nicht berechtigt. Einige Länder verleihen aber den akademischen Titel des Professors. Es handelt sich in diesen Fällen gleichzeitig um eine Berufsbezeichnung, für die keine gesonderte Prüfung notwendig ist. Im Saarland darf der vom Staat verliehen Professor aber beispielsweise auch als tatsächlicher akademischen Grad geführt werden.

Wann werden akademische Titel verliehen?
Prinzipiell können Universitäten frei über die Verleihung der Ehrendoktorwürde entscheiden. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten waren die deutschen Hochschulen aber sehr zurückhaltend bei der Verleihung. Nur besondere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie etwa Bundeskanzlerin Merkel oder Bundespräsident Gauck. Der Grund hierfür liegt darin, dass sich Universitäten durch die Verleihung ein Stück weit angreifbar machen. Ein Beispiel: Klaus Volkert, ehemaliger Chef des VW-Weltbetriebsrat, hatte einen Ehrendoktortitel der Universität Braunschweig inne. Dieser wurde ihm aufgrund besonderer Verdienste im sozialen Bereich verliehen. Das Problem: Klaus Volkert wurde im Jahr 2009 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er Gelder veruntreut hatte. Ein solcher Ehrendoktor macht sich für Universitäten in der Außendarstellung nicht gut. Die Aberkennung ist allerdings aus rechtlicher Sicht nicht unkompliziert, da akademische Titel und Grade eigentlich nicht entzogen werden können. Vorgesehen ist das nur bei akademischen Graden, wenn der Doktorand – wie im Falle Gutenberg – bei der Erstellung seiner Doktorarbeit betrogen hat.

Wie werden Ehrendoktortitel geführt?
In Deutschland ist es gleichermaßen erlaubt akademische Grade und Titel zu führen. Es besteht allerdings auch keine Pflicht, die entsprechenden Auszeichnungen im Personalaufweis, auf Visitenkarten oder anderen Dokumenten anzugeben. Wenn der Doktorgrad geführt wird, existieren jedoch einige Regeln:

•    Der akademische Doktortitel wird als „Dr.“ ausgewiesen. Die zugehörige Fachbezeichnung, beispielsweise „jur.“ für Jura oder „med.“ für Medizin muss nicht aufgeführt werden.
•    Auch der Ehrendoktortitel kann im Personalausweis oder anderen Dokumenten stehen. Dann muss die entsprechende Bezeichnung „Dr. h. c.“ oder „Dr. e. h.“ verwendet werden, um deutlich zu machen, dass es sich nicht um einen akademischen Grad handelt.

Fazit: Ehrendoktor als akademischer Titel
Die Unterscheidung zwischen akademischen Graden und akademischen Titel mag auf den ersten Blick verwirrend erscheinen. Grade werden immer dann verliehen, wenn ein Student oder angehender Doktorand eine wissenschaftliche Leistung abgelegt hat. Für Ehrentitel wie den Ehrendoktor ist das hingegen nicht notwendig. Universitäten können die Ehrendoktorwürde nach eigenem Ermessen verleihen, was meist nur in besonderen Fällen geschieht. Beide Doktortitel dürfen in Deutschland auch im Personalausweis geführt werden, wobei der Ehrendoktor mit dem Zusatz „h. c.“ ausgewiesen werden muss.




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